Der Quellenhof soll Landwirtschaft für jedermann greifbar und lebendig machen. Wir wollen eine solidarischen Gemeinschaft aufbauen, die in unserer Region natürliche Lebensgrundlagen sichert, hochwertige nachhaltige Lebensmittel erzeugt, biologische Vielfalt stärkt und für einen lebendigen fruchtbaren Boden sorgt, der uns, unsere Kinder, Enkel und Urenkel langfristig ernährt. Wir möchten Menschen aller Herkunft und Alters die Lebensmittelerzeugung näher bringen und ihnen durch vielfältige Lernangebote zukunftsfähige Wege der Lebensgestaltung eröffnen, einen Ort der Bildung und der Gemeinschaft im Einklang mit der Natur schaffen.

Hintergrund:

Traditionell war die Landwirtschaft nicht nur Rohstofflieferant für unsere Ernährung, sie war ein wichtiger Arbeitsplatz für viele Menschen und Familien, ein Lern-und Bildungsort, an dem auch soziale Aufgaben erfüllt wurden, wo Tradition und Kultur geprägt wurde und Stabilität und Werte geschaffen wurden.

Heute geht die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft Jahr für Jahr zurück und die Durchschnittsgröße der Betriebe wächst stetig. Parallel hierzu sinkt der von den Konsumenten für Nahrungsmittel ausgegebenen Anteil des Gesamteinkommens seit Jahren, ebenso wie der Anteil der Verbraucherausgaben, den die Landwirte erhalten.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die durch die Agrarpolitik und durch das Verbraucherverhalten bedingt sind, drängen viele Betriebe zu weiterer Spezialisierung und Vergrößerung. Immer neue Investitionen zwingen viele Bauern in finanzielle Abhängigkeiten oder zur Aufgabe ihrer Betriebe.

Familie Barner, Verpächter des Quellenhofs, arbeitete seit vielen Jahren unter diesen Zwängen und ist nun nicht mehr in der Lage, ihren Hof unter diesen Bedingungen weiterzuführen.

In der Ökologischen Landwirtschaft haben sowohl die Anzahl der Betriebe als auch die Anbaufläche in den vergangenen Jahren beständig zugenommen. Durch die Dynamik, die sich im Ökolandbau entwickelt, gelten jedoch hier mittlerweile annähernd die gleichen Sachzwänge wie für die konventionelle Landwirtschaft. Auch im Ökolandbau werden die Transportwege länger und die Spezialisierungen sowie der ökonomische Druck intensiver. Die Entregionalisierung geht immer rascher voran. Flächenprämien und Beihilfen haben zur Ausbreitung der ökologischen Landwirtschaft beigetragen, jedoch auch zu Abhängigkeiten und zu „Ökobauern aus ökonomischen Gründen“ geführt. Mittlerweile sind auch die Discounter in größerem Umfang in den BioMarkt eingestiegen und die Distanz zwischen Kunde und Erzeuger wächst auch in dieser Branche. Diese Entwicklungen führen dazu, dass die Grenzen zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft immer mehr verschwimmen und die Kunden zunehmend verunsichert werden. Ist auch ‚Bio’ drin, wo ‚Bio’ drauf steht?

Zudem stehen das Ziel der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und die Subventionierung der Landwirtschaft häufig im Konflikt mit den Zielen der Nachhaltigkeit, des Umweltschutzes und der sozialen Landwirtschaft. Die Bodenwerte sinken, die Umweltbelastungen steigen, im ländlichen Raum lösen sich Infrastruktur und Daseinsvorsorge auf, die Bevölkerung wandert ab und altert, Wissen und Kulturgut verschwinden.

Solidarische Landwirtschaft

Vor etwa 25 Jahren entwickelte sich in verschiedenen Teilen der Welt das Konzept der solidarischen Landwirtschaft (engl. Community Supported Agriculture (CSA), welches den Landwirten entgegen dieser Entwicklung ermöglicht, frei von ökonomischen Zwängen zu wirtschaften. Auch in Deutschland verbreitet sich dieses Konzept mehr und mehr. Es gab 2018 laut Netzwerk für solidarische Landwirtschaft (www.solidarische-landwirtschaft.org) 191 SoLaWi – Höfe in Deutschland, allerdings nur 2 in Sachsen-Anhalt und in der Region Harz keinen.

Solidarische Landwirtschaft heißt eine verbindliche, regionale Zusammenarbeit zwischen Erzeugern ökologischer Lebensmittel und Verbrauchern. Eine Gemeinschaft aus “aktiven” und “nicht-aktiven” Landwirten, die sich Risiko und Verantwortung teilen. Der Wirtschaftsprozess erfolgt auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und gemeinsamer Einigung auf die Standards der Anbaumethoden und die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion. Die Kosten werden gemeinschaftlich aufgebracht. Die Landwirtschaft nicht die Lebensmittel wird bezahlt. Im Ergebnis entstehen verlässliche Verhältnisse, die längerfristig, verbindlich und frei vom ökonomischen Zwang sind. Wirkliche Ernährungssouveränität wird hergestellt, die Gesundheit, Pflege und Entwicklung von Böden, Gewässern, Pflanzen, Tieren und Menschen wird gewährleistet.

Die Förderung der solidarischen Landwirtschaft ist im Koalitionsvertrag 2018 auf den Seiten 84/85 verankert:

Ökologische Landwirtschaft und Eiweißstrategie stärken

Ausgehend von der Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau werden wir den Ökolandbau weiter ausbauen, um einen Flächenanteil von 20 Prozent nachfrageorientiert und bei Ausbau der Forschung bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Wir wollen im Rahmen der Modell- und Demonstrationsprojekte (Best-Practice) Vorhaben zur regionalen Wertschöpfung und Vermarktung fördern, z. B. Netzwerk Solidarische Landwirtschaft (Solawi).